Prix Première an Patricia Klobusiczky

(Hier folgt die ungekürzte Fassung der Laudatio, die in Übersetzen Heft 2/2025 in gekürztes Version abgedruckt ist)

Zur Verleihung des Prix Premiere  für die deutsche Übersetzung des Romans Adikou von Raphaëlle Red, übersetzt von Patricia Klobusiczky

Von Deniz Utlu

Wir haben es hier mit einem außergewöhnlichen Roman zu tun. Er beginnt als eine Geschichte über die Suche nach den eigenen Wurzeln.

Eine junge Französin ist bei einem Studienaufenthalt in den USA. Durch die Begegnung mit der Afroamerikanischen Kultur ist sie plötzlich in Kontakt mit ihrem eigenen Schwarzsein. Sie macht sich auf nach Togo, auf die Suche nach ihrem Ursprung.

Doch was als ein Road Novel beginnt, wird schließlich zu einem Bewusstseinsroman. Traum, Wirklichkeit, Fiktion bis hin zu Wahn verschwimmen in der Erzählzeit. Was als Figurenprosa beginnt, wird zu ausfransenden Textteppichen.

Mit einer Übersetzungsleistung, die sich nicht vor Wortneuschöpfungen scheut: »Komplizenkette«, und das wagt, was in der deutschen Gegenwartsprosa beinahe verboten ist – und daher auch Mut in der Übersetzung verlangt: nämlich poetisch in die Vollen zu gehen; sich an den Rand des Pathetischen zu wagen, soweit, bis die sprachliche Wahrheit ausgeschöpft ist.

Wir erfahren das Erwachen eines schwarzen Bewusstseins; die Poetik dekolonialer Emanzipation; und dann passiert etwas ganz Besonderes: Wir bekommen ein Werkzeug gegen die Einsamkeit in die Hand gelegt.