Bayern-Stipendium an Sophia Marzolff

(Hier folgt die ungekürzte Fassung der Laudatio, die in Übersetzen Heft 02/2025 in gekürzter Version abgedruckt war).

Sehr geehrter Herr Staatminister Blume, liebe Sophia Marzolff, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Gäste,

Juryarbeit ist eine Ehre und Freude zugleich. Einerseits gewinnt man einen tiefen Einblick in die Arbeit und Herangehensweise der Kollegen und Kolleginnen und lernt im besten Fall noch etwas dazu, andererseits hat man die Gelegenheit, sich intensiv mit den qualifizierten Mitgliedern der Jury auszutauschen und den eingereichten Texten sozusagen auf den Zahn zu fühlen, bis sich die eine Einreichung herauskristallisiert, die dann für das Arbeitsstipendium vorgeschlagen wird.

So war es auch diesmal wieder.

Schnell waren Patricia Klobusiczky, Thomas Weiler und ich uns einig darüber, dass in diesem Jahr Sophia Marzolff für ihre Übersetzung des Romans Geteiltes Haus von Alice Horáčková aus dem Tschechischen das Arbeitsstipendium des Freistaats Bayern für literarische Übersetzerinnen und Übersetzer erhalten soll.

Die Bewerbung hat uns vor allem überzeugt, weil es Sophia Marzolff hervorragend gelingt, die Herausforderungen zu meistern, die eine Übersetzung aus einer slawischen Sprache mit sich bringen. Diese Übersetzung besticht besonders durch ihre Stimmigkeit, denn die verwendete Tonalität der Sprache passt perfekt zu der im Roman entworfenen Welt. Die Übersetzerin Sophia Marzolff hat stets die Kontrolle über ihre Übersetzung und erschafft dadurch einen eigenständigen Text. Die von ihr verwendete Sprache hat eine beeindruckende Idiomatik sowie einzigartige Klangfarbe, die den Leser bzw. die Leserin mitnimmt – ja in ihren Bann zieht. Die Jury ist einhellig der Meinung, dass Sophia Marzolff ohne jeden Zweifel das diesjährige Arbeitsstipendium verdient hat.

Und daher möchte ich hier die Würdigung der Jury im Wortlaut vortragen:

Sophia Marzolff übersetzt so souverän wie feinfühlig. Immer wieder platziert sie behutsame Akzente und reichert ihren Text mit Idiomen an, ohne sich dem tschechischen Original anzubiedern oder ihm das Besondere zu nehmen. Auf diese Weise erschließt sie den Roman „Rozpůlený dům“ („Ein geteiltes Haus“) von Alice Horáčková dem deutschen  Lesepublikum und bringt ihm diese spannungsreiche Familiengeschichte aus dem sudetischen Riesengebirge nah, die mehrere Generationen umspannt und viele, zum Teil entgegengesetzte Perspektiven und Tonlagen gestaltet. Scheinbar mühelos meistert sie nach eingehenden historischen Recherchen die Hürden des komplexen Ausgangstexts und schafft durch ihre gelungene kulturelle Transferleistung eine in sich stimmige, kunstvolle deutsche Übersetzung.

Auch im Namen der anderen Jurymitglieder Patricia Klobusiczky, und Thomas Weiler gratuliere ich der diesjährigen Stipendiatin Sophia Marzolff ganz herzlich.