(Hier folgt die ungekürzte Fassung der Laudatio, die in Übersetzen Heft 02/2025 in gekürzter Version abgedruckt ist).
Wolfenbüttel, am 27. Juni 2025
Liebe Annette,
der Verband deutschsprachiger Übersetzer/innen literarischer und wissenschaftlicher Werke e. V. verleiht Dir in diesem Jahr die Ehrengabe: „Der Zweck der Ehrengabe ist die Würdigung besonderer Verdienste um die Verbandsziele und das Literaturübersetzen allgemein außerhalb der Gremienarbeit.“
Dass Dir Ehre gebührt, und zwar genau diese, unsere Ehre, werden alle, die Dich kennen, unterschreiben. Einige der guten Gründe dafür seien hier genannt:
Wissen weitergeben und vermitteln, das ist genau Deins. Von 1980 bis 1992 hast Du in Rom gelebt und warst Universitätslektorin für deutsche Sprache und Literatur, zuletzt dann Dozentin an einer Fachhochschule für Übersetzen und Dolmetschen; zudem hast Du noch als Print- und Hörfunkjournalistin gearbeitet. Im Rahmen Deiner 1995 abgeschlossenen Promotion hast Du Dich mit sprachtheoretischen und ästhetischen Problemen der literarischen Übersetzung befasst und anschließend noch fünf Jahre als Lehrbeauftragte an Deiner Hamburger Alma Mater Seminare gegeben. Und im Wintersemester 2021/22 hattest Du eine DÜF-Gastdozentur an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg inne und 2022/23 eine ebensolche an der Universität Hamburg.
Unsere Sichtbarkeit in der breiten Öffentlichkeit war Dir immer eine wichtige Triebfeder. Kein Wunder also, dass Du 2009 die Weltlesebühne mit aus der Taufe gehoben hast. Unter dem Motto „Übersetzer über Bücher“ bringen die Vereinsmitglieder Menschen ins Rampenlicht, die auf interessante Weise vom Übersetzen berichten können und unseren Berufsstand einem breiten Publikum näherbringen. Nachdem Du Dich viele Jahre im Vorstand engagiert hast, hältst Du der Weltlesebühne bis heute die Treue und trittst immer wieder auch selbst auf.
Vor allem aber hast Du Dich für Auftritte von Kolleg:innen bei der Frankfurter Buchmesse engagiert. 2010 beauftragte der VdÜ-Vorstand Dich und Ingo Herzke, das seit 2003 dort bestehende Übersetzerzentrum zu betreuen. Kaum hattet Ihr zugesagt, strichen die Hauptförderer, das Auswärtige Amt und die Buchmesse selbst, ihre Mittel. Dafür gab’s nun den „Weltempfang“, in dessen Rahmen das Übersetzen aber nur eins von mehreren Themen waren. Dennoch: 2010 traten neun (!) „gläserne Übersetzer:innen“ auf, mit den Jahren gab es dann auch immer mehr spezifisch übersetzerisch oder sprachpolitisch ausgerichtete Panels, von denen einige als legendär und ausgesprochen publikumswirksam in die VdÜ-Annalen eingegangen sind.
Nach der pandemiebedingten Messepause und dank beträchtlicher Neustart-KulturMittel gab es 2022 erstmals seit 2009 wieder ein reines Übersetzungszentrum, und 2023 gleich noch eins: Über fünf Tage hinweg folgte eine Veranstaltung auf die andere, die Gesamtbudgets lagen im sechsstelligen Euro-Bereich. Wahnsinn! Es war aber auch ein Wahnsinnsjob, da Ihr Euch nun um wirklich alles ganz alleine kümmern musstet. Das war für alle Beteiligten dermaßen anstrengend, dass 2024 das Konzept geändert und im neuen „Zentrum Wort – Bühne für Literatur und Übersetzen“ die Last auf mehr Schultern verteilt wurde. Du hast Dich dabei noch einmal für Frankfurt ins Zeug gelegt, immerhin war Italien Gastland. Und dann war’s auch genug. Zumindest mit den Buchmessen.
Eins sei betont, zumal es Dir enorm wichtig ist: All dies ist nur in Zusammenarbeit mit anderen möglich gewesen; stellvertretend seien aus den Reihen des VdÜ genannt: Ingo Herzke, der bis 2022 Dein Co-Kurator war, dazu Karin Betz, Claudia Steinitz und Henrieke Markert; Letztgenannte hat inzwischen den Staffelstab (und viel Wissen) von Dir übernommen und es ins neue VdÜ-Team für die Frankfurter Buchmesse eingebracht. Ich selbst habe ab 2022 die finanzielle Seite des Ganzen betreut und miterlebt, mit wie viel Leidenschaft, Wissen und Kompetenz Du Dich eingebracht hast. Tanto di capello!
Dass Du auch noch in Preisjurys mitwirkst, kann hier nur noch kurz Erwähnung finden. Wir freuen uns jedenfalls schon auf Deine Autobiografie, die garantiert das Wort „Übersetzung“ im Titel tragen wird. Denn Du lebst und atmest Übersetzen, wie es eine Kollegin und gute Freundin von Dir sehr treffend formuliert hat.
Liebe Annette: Herzlichen Glückwunsch!
Mirko Kraetsch
im Namen des gesamten VdÜ-Vorstands